Rennbericht: Predator Race Master Weekend Eduard (2020)

Endlich wieder OCR! In Osteuropa finden mittlerweile wieder die ersten Post-Corona-Races statt. Am 08. und 09. August 2020 war es im Skigebiet Eduard in Tschechien nahe der deutschen Grenze soweit, das Predator Race Master Weekend hat stattgefunden. Predator Race konnte sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als anspruchsvolles Hindernisrennen mit toller Organisation, schönen Strecken und technisch herausfordernden Hindernissen und Trails erarbeiten. Aus deutscher Sicht war das Wochenende übrigens extrem erfolgreich!🥇🏆

 

 

Predator Race zählt dennoch zu den kleineren Veranstaltern und hatte die Teilnehmerzahlen im Vorfeld als Corona-Maßnahme noch einmal begrenzt. Ich vermute, dass sich Samstag etwa 500 und Sonntag etwa 300 Starter den drei unterschiedlichen Distanzen gestellt haben. Tschechien hat für Outdoor-Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmer keine besonderen Regelungen, außer den allgemeinen Vorgaben/persönlichen Appellen zum Abstandhalten, Hygienemaßnahmen, etc. was den Veranstaltern sicherlich entgegenkam.

Eine kleine Randnotiz an dieser Stelle: Viele Fragen sich immer wieder, warum der Sport in Osteuropa „reifer“ wirkt. Exemplarisch möchte ich hier einfach mal folgendes Foto zeigen… Die Anlage steht in einer ganz normalen Wohnsiedlung eines kleinen 16.000-Einwohner-Städtchen neben dem Kinderspielplatz. Bei uns sucht man solche Trainingsmöglichkeiten selbst in Großstädten leider häufig vergeblich. Weiterhin sind „professionelle“ Trainingsgruppen von Spartan Race, Predator Race, etc. in verschiedenen Städten sehr etabliert und erfolgreich.

Kommen wir zum eigentlichen Veranstaltungsgelände. Die (kostenlosen) Parkplätze waren durch einen Waldweg erreichbar und lagen direkt am Gelände, wo Startnummernausgabe, Hindernis-Hotspot, Bagdrop, „Sanitäranlagen“ (naja…😂), Shop, Verpflegung, Start-Ziel-Bereich, etc. aufgebaut wurde. Bei den Hindernissen muss das hohe Niveau (sowohl qualitativ als auch vom Anspruch her) hervorgehoben werden. Ich bin mein letztes PR vor zwei Jahren gelaufen und die Hindernisse wirken seitdem noch einmal „gereifter“. Ohne Griffkraft und Körperbeherrschung können die drei Distanzen sehr schnell zu Crabwalk-Orgien ausufern… 😉

Viele Hindernisse gibt es in einer Fast-Lane und einer Slow-Lane. Wer die (technisch anspruchsvollere) Fast-Lane erfolgreich absolviert kann sofort weiterlaufen, während nach erfolgreichem Meistern der Slow-Lane ein zusätzlicher Parcours (laufen, crawl, etc.) absolviert werden muss, sodass Zeit verloren geht. Die Strecken selber haben sich durch bergiges und sehr traillastiges Terrain ausgezeichnet, welche selten über normale Wege und fast nie über Asphalt geführt haben. In Summe waren die Strecken des Wochenendes vor allem eins: wunderschön!

Die Basis der Hindernisse war bei allen drei Distanzen (5km+; 10km+ und 15km+) identisch und wurden entsprechend der Distanz um zusätzliche Hindernisse/Varianten erweitert. An dieser Stelle muss ich bei allem Lob auch Kritik üben. PR war in der Vergangenheit dafür bekannt, dass das Plus hinter der jeweiligen Distanz durchaus als PLUS betrachtet werden sollte (musste 😉). Ja, das hat in der Vergangenheit zu Kritik über zu lange Distanzen geführt, aber in meinen Augen war genau das eines der Merkmale von PR. Mit 6.5km, 9.6km und 16km war man dieses Mal sehr nah an der ausgeschriebenen Länge. Ja, das ist jammern auf hohem Niveau, aber für mich macht die unbekannte Variable des „Plus“ einen Teil des Reizes von PR aus.

Was mir persönlich wiederum sehr gut gefällt sind die „Mut-Hindernisse“ in Form der Rutsche und des 6m-Sprungs (bzw. für Frauen ~3m) in verschiedene Seen. Wenn ich das richtig beobachtet haben, waren bei beiden Hindernisse die mit Abstand längsten und anspruchvollsten Crabbwalk-Strafen. Wer sich für die beiden Hindernisse nicht überwinden konnte, musste entsprechend mit deutlichen Zeit- und Krafteinbußen rechnen. Zum Thema Strafen kann hier noch angemerkt werden, dass die Crabwalk-Distanzen subjektiv empfunden etwas kürzer waren als in der Vergangenheit.

Sonntag hat die Langdistanz „Masakr“ stattgefunden. Hier war ich leider enttäuscht. In der Vergangenheit war fester Bestandteil der Distanz das Namensgebende Massaker in Form eines bergigen Sandbag-Carry von etwa 2km. Männer 50kg und Frauen 25kg (?) und das ganze als TC. Ja, das tat weh. Ja, das war nicht für alle fair (Stichwort Körperbau, Körpergewicht, etc.). Aber für mich war es eines der Kernmerkmale des Predator Race. Versteht mich nicht falsch, die Strecke, die Hindernisse, das gesamte Renenn war toll, aber irgendwo fehlte etwas.

 

Vor dem Zieleinlauf erwartet die Teilnehmer dann eine Stairway to Heaven sowie eine anspruchsvolle Halfpipe, bevor die wohlverdienten Medaillen entgegengenommen werden können. An dieser Stelle meine Glückwünsche an die Jungs vom MIT Germany zu den herausragenden Elite-Team-Wertungs-Siegen sowie an Jan zum Elite-Gesamtsieg des Master-Weekends.🥇🏆 Auch die dritten Plätze von Sabrina (Elite Brutal) und Maylin (Elite Masakr) verdienen den größten Respekt.🥉🏆

Bevor nun ein falscher Eindruck entsteht, möchte ich klarstellen: Predator Race ist weiterhin ein Veranstalter von erstklassigen Rennen, welcher tolle Locations, anspruchsvolle Hindernisse und einfach ein tolles Gesamtpaket bietet! Die Kritik stellt lediglich meine persönliche Meinung dar und ist bitte als Verbesserungsvorschläge zu betrachten, damit die Rennen noch besser werden! Das Wochenende wird mir außerordentlich positiv in Erinnerung bleiben. Zum Abschluss noch mein eigenes Finisher-Foto (️😎😂) und ein Bild der Medaillen und des (meiner Meinung nach sehr schicken) Event-Shirts.